Datenbank der im Sklavenhandel involvierten Schweizer



Fatio François


François Fatio stammte aus einer Protestantischen Familie, die von Mailand nach Zürich floh, und sich dann 1623 in Vevey niederliess, wo der Vater mit Seide handelte. Nach seinem Studium in „Bonnes Lettres“ liess François sich in Genf nieder, wo er durch der Heirat mit Marie Franconis zum Bürger der Stadt wurde. Zunächst betrieb er ein Kolonialwarengeschäft, welches unter dem Firmennamen „François Fatio & Fils“ immer mehr Bankgeschäfte übernahm. Zudem exportierte er Leinwand aus St. Gallen nach Frankreich. 1680 wurde er Komissionär der französischen Levante-Gesellschaft, was bedeutete, dass er das staatliche Monopol für die Einfuhr französischer Kolonialwaren aus Marseille nach Genf erhielt. Auch erzielte er ein beträchtliche Gewinne im Salzhandel. François Fatio war der erste nachweisbare Schweizer, der in den niederländischen Kolonien eine Plantage besass. 1693 erwarb er drei Viertel einer Zuckerplantage in Surinam aus dem Erbe von Moise Tissot (der Bankier Jean Tourton von Amsterdam kaufte das letzte Viertel). François Fatio reiste selbst nie nach Surinam, er liess die Plantage von einem Herrn Sartoris aus Genf verwalten. Für die Plantage wurden der Arzt Antoine Roussenac und einige Zimmerleute (zum Zuckermühlebau) in Genf verpflichtet, welche via Amsterdam, wo Tourton lebte, nach Surinam geschickt wurden. Für kurze Zeit betrieb er in Plainpalais eine kleine Zuckerraffinerie, welche jedoch bald wieder schliessen musste, da die Produktion anderswo billiger war. François Fatio hinterliess seinen Kindern bei seinem Tod 1704 ein grosses Vermögen. Fatios Sohn Jean-Baptiste erbte den Anteil an der Plantage seines Vaters bereits 1699, 1737 starb er selbst kinderlos. Wer die Plantage erbte ist unbekannt.


Zeitraum: 1622 - 1704

Woher: Genf GE | Genf (GE)

Wo und wie tätig: Genf GE, Schweiz, Bank- und Kreditgeschäfte Sklavenhalter Handel

Als was tätig: Bank- und Kreditgeschäfte, Kolonialwarenhändler, Plantagenbesitzer, Sklavenhalter

Quellen:
Fässler Hans, Reise in Schwarz-Weiss. Schweizer Ortstermine in Sachen Sklaverei, Zürich 2005, S. 226, S. 236, S. 284.

Streckeisen Sylvie, La Place de Genève dans le Commerce avec les Amériques aux XVIIe et XVIIIe siècles, in: Mémoires d'esclaves, Musée d'ethnographie, Genève 1997, S. 36-41.


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